Weidenrindenextrakte finden aufgrund ihrer analgetischen Effekte seit langem in der Behandlung schmerzhafter Erkrankungen des Bewegungsapparates Anwendung. Bisher standen klinische Studien zur Effizienz dieses Phytopharmakons noch aus. Auch zur Frage der optimalen Dosierung bestehen noch unterschiedliche Meinungen. Ziel einer placebokontrollierten klinischen Studie, die von der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik an der Universität Haifa durchgeführt wurde, war es daher, die Wirksamkeit und Verträglichkeit zweier unterschiedlicher Dosierungen eines Weidenrindenextraktes gegenüber Placebo bei Patienten mit Rückenschmerzen zu überprüfen.

Patienten und Methoden

Eingeschlossen waren 210 Patienten mit chronischen Rückenproblemen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme an einer akuten Exazerbation ihrer Schmerzen litten.

Dem Randomisierungsplan entsprechend wurden sie in drei Gruppen aufgeteilt und erhielten vier Wochen lang täglich entweder 120 mg oder 240 mg eines Weidenrindenextrakts, der auf einen Salicingehalt von 0,153 mg pro mg Extrakt standardisiert war, oder ein Placebo. Eine analgetische Begleitmedikation war mit Ausnahme von Tramadol nicht erlaubt.

Primärer Prüfparameter war der Therapieerfolg, definiert als die Anzahl von Patienten, die innerhalb der letzten 5 Tage des Beobachtungszeitraumes kein Tramadol benötigten.

Die Analyse zur Effizienz beruhte auf der Intention-to-treat-Basis, wobei Patienten, welche die Studie nicht vollendeten, als Nonresponder betrachtet wurden.

Als sekundäre Zielvariable galt bei denjenigen Patienten, die auch am Studienende die Zusatzmedikation mit Tramadol fortsetzen mussten, die Veränderung der Schmerzsymptomatik im Vergleich zum Ausgangswert. Die Schmerzen wurden dabei mit dem Arhus-Rückenschmerz-Index erfasst.

Die Schmerzsymptomatik wurde einmal wöchentlich abgefragt, ebenso wie die Dosierungen der Zusatzmedikation. Gleichzeitig wurden etwaige unerwünschte Begleiterscheinungen dokumentiert.

Ergebnisse:


Die drei Gruppen erwiesen sich hinsichtlich ihrer demographischen Daten und der Ursachen ihrer Erkrankung als vergleichbar. Bei den meisten handelte es sich um Arthrosen, Spondylosen, Skoliosen oder Bandscheibenvorfälle. Im Hinblick auf die Schmerzintensität und -dauer bestanden leichte Unterschiede, wobei in der Gruppe, die 240 mg Weidenrindenextrakt bekam, mehr Patienten über heftigere und länger als 6 Jahre bestehende Rückenschmerzen klagten als in der Placebogruppe.

Insgesamt 191 Patienten schlossen die Studie ordnungsgemäß ab.
8 Patienten – 7 aus der Placebogruppe und 1 aus der Hochdosisgruppe – schieden aufgrund mangelnder Wirksamkeit der Medikation vorzeitig aus.

Bei der Analyse des Hauptprüfparameters ergaben sich deutliche und dosisabhängige Vorteile zugunsten der Verummedikation. Bereits nach einer Behandlungswoche war ein signifikanter Anstieg der Anzahl schmerzfreier Patienten in der Hochdosis-Gruppe zu beobachten, der während des Studienverlaufs noch weiter anwuchs. Einen etwas geringeren Therapieeffekt erzielte die Dosierung von 120 mg Weidenrindenextrakt.

Die besten Ergebnisse erzielte am Studienabschluss mit einem Wert von p< 0,001 gegenüber Placebo die high-dose-Gruppe. In dieser Gruppe sprachen 27 Patienten (39 Prozent) auf die Behandlung an, während sich in der low-dose-Gruppe 15 Patienten (21 Prozent) als Responder erwiesen. In der Placebogruppe waren es lediglich 4 Teilnehmer (6 Prozent).

Von den 61 Patienten, die neurologische Ausfälle aufwiesen, haben insgesamt 16 auf die Behandlung angesprochen - darunter nur einer aus der Placebogruppe. Hingegen konnte bei 7 von 22 aus der low-dose-Gruppe und bei 8 von 21 aus der high-dose-Gruppe Schmerzfreiheit erzielt werden.

Bei ischialgiformen Beschwerdebildern erreichten die Verummedikationen ein vergleichbares Ergebnis, das auch hier mit einem p-Wert < 0,001 in der high-dose-Gruppe am deutlichsten ausgeprägt war.

Während des gesamten Studienverlaufs benötigten signifikant mehr Placebo-Patienten eine zusätzliche Schmerzlinderung mit Tramadol als in den beiden Verumgruppen.

Die mediane Besserung im Arhus-Score war in der Hochdosisgruppe signifikant höher als bei den Patienten, die das Phytopharmakon in der halben Dosis eingenommen haben. Dies konnte auch bei allen individuellen Komponenten beobachtet werden.

Unerwünschte Ereignisse traten verhältnismäßig selten auf.

Fazit: Weidenrindenextrakt kann den Ergebnissen dieser Untersuchung zufolge als eine gut verträgliche und effiziente Therapieoption in der Behandlung von Rückenschmerzen betrachtet werden.

(Quelle: S. Chrubasik, E. Eisenberg, E. Balan, T. Weinberger, R. Luzzati, C. Conradi: Treatment of low back pain exacerbations with willow bark extract. The American Journal of Medicine, Vol.109, No.1, 1.July 2000)