Die wissenschaftliche Aufarbeitung pflanzlicher Arzneimittel ist in den letzten Jahren weit vorangekommen. Trotzdem wird die richtige Beurteilung einzelner pflanzlicher Präparate durch eine genuine Eigenschaft der Phytopharmaka kompliziert: Sie sind nicht generisch fassbar. Im Unterschied zu den chemisch definierten Einzelsubstanzen können die natürlichen Vielstoffgemische vielmehr je nach Drogenqualität und Herstellungsverfahren Extrakte mit enorm unterschiedlichen Wirkungen ergeben. Je nach Extrakt und galenischer Zubereitung resultieren daraus unterschiedliche Arzneimittel. PD Dr. Klaus Linde, Autor der Cochrane-Dokumentation „Johanniskraut“, hat deshalb die vorhandenen klinischen Studien im Hinblick auf die Evidenz einzelner Johanniskrautextrakte analysiert.

Dies geschah im Auftrag der „Kommission Qualität und Transparenz von Phytopharmaka“, die vom KFN unterstützt wurde. Zu den Mitgliedern zählen:

Prof. Dr. Susanne Alban, Direktorin des Pharmazeutischen Instituts der Universität Kiel, Vorsitzende der Fachgruppe Pharmazeutische Biologie der DPhG.
Prof. Dr. Theodor Dingermann, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für Pharmazeutische Biologie an der Universität Frankfurt am Main.
Prof. Dr. Gisela C. Fischer, ehem. Leiterin der Abt. Allgemeinmedizin der MH Hannover, Mitglied des „Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“.
Prof. Dr. Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt am Main, mit den Forschungsschwerpunkten Qualitätsförderung und Evidenzbasierte Medizin in der Praxis.
Prof. Dr. Gerd Glaeske, Arzneimittelversorgungsforschung, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen.
Prof. Dr. Michael Habs, Arzt und Toxikologe, Vorsitzender des KFN-Kuratoriums.
Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser, Ärztin für Innere Medizin, Professorin für Gesundheit an der Universität Hamburg.
Prof. Dr. Michael Popp, Pharmazeut, KFN-Vorsitzender.
Prof. Dr. Harald Schweim, Lebensmittelchemiker und Pharmazeut, Inhaber der ersten europäischen Professur für Drug Regulatory Affairs an der Universität Bonn.


In einer ersten Übersicht prüfte Dr. Linde, für welche auf dem deutschen Markt als Antidepressiva eingesetzten Hypericum-Extrakte klinische Studien vorliegen. Er berücksichtigte in seiner Analyse ausschließlich Studien mit randomisiertem und doppelblindem Studiendesign, insgesamt 42 an der Zahl. Zu jedem der zum Zeitpunkt der Übersicht (Februar bis Oktober 2006) auf dem deutschen Markt verfügbaren Präparat wurde eine deskriptive Bewertung der Evidenzlage erstellt.

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