Kathrin Hohl und Wilhelm Gaus - Abteilung Biometrie und Medizinische Dokumentation, Universität Ulm.

 

In letzter Zeit gab es einzelne Berichte, dass sich pflanzliche und chemisch-synthetische Arzneimittel in ihrer Wirkung gegenseitig abschwächen. Deshalb wurde die Literatur zu diesem Thema zusammengetragen und aufbereitet. Auf Verdacht hin wurde die Literaturrecherche auch auf Nahrungs- und Genussmittel ausgedehnt. Tatsächlich liefert die wissenschaftliche Literatur Indizien, dass die Wirkung einzelner synthetischer Arzneimittel (z.B. Cyclosporin) durch die gleichzeitige Einnahme pflanzlicher Präparate (z. B. Johanniskraut) abgeschwächt wird. Während dies mehr oder weniger erwartet worden war, ist völlig überraschend, dass auch gängige Nahrungs- und Genussmittel wie Kohlgemüse, Bienenhonig, Coca-Cola, Rot- und Weißwein die Wirksamkeit synthetischer Arzneimittel gleichermaßen beeinflussen. Dies hinterfragt den Nutzen synthetischer Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite.


Die Publikationen stammen aus eigenen Recherchen in Datenbanken, aus dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie von Experten für Phytotherapie, die das BfArM beraten (Kommision E). In den insgesamt 175 Aufsätzen, die zwischen Januar 1989 und Juni 2004 in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert worden sind, werden die gegenseitigen Beeinflussungen (Wechselwirkungen) von 40 verschiedenen pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) und 15 verschiedenen Nahrungs- und Genussmitteln auf der einen Seite mit 102 verschiedenen synthetischen Arzneimitteln beschrieben. Von den Phytopharmaka ist Johanniskraut am genauesten untersucht worden. Grapefruit ist das meist untersuchte Nahrungsmittel. Ein Großteil der Publikationen sind Übersichtsarbeiten, randomisierte kontrollierte Studien, nicht randomisierte Studien und Fallbeschreibungen. Dagegen stellen Publikationen von Tierversuchen, in vitro Versuchen und Meinungsäußerungen nur einen kleinen Teil der Bibliographie dar. Es werden überwiegend pharmakokinetische Wechselwirkungen beschrieben, d.h. die meisten gegenseitigen Beeinflussungen betreffen den Stoffwechsel der Wirksubstanzen. Da die Cytochrom-P450-Isoenzyme vorrangig an der Verstoffwechselung (Metabolisierung) der Arzneisubstanz beteiligt sind, enthält die Bibliografie auch 20 Publikationen, die den Effekt von pflanzlichen Arzneimitteln und von Nahrungs- und Genussmitteln auf die Aktivität dieser Isoenzyme untersuchen. Eine Aktivierung oder Hemmung deren Aktivität könnte zu Wechselwirkungen zwischen synthetischen und pflanzlichen Arzneimitteln bzw. Nahrungs- und Genussmitteln führen.


Die im Internet öffentlich zugängliche Bibliographie befindet sich auf der Seite http://www.uni-ulm.de/uni/fak/medizin/biodok/v4/herb_drug_interactions.html. Der Basisfile enthält alle bibliographischen Angaben und die zugeteilten Deskriptoren. Außerdem ist ein Zugriff nach einem pflanzlichen Arzneimittel, nach einem Nahrungs- oder Genussmittel, nach einem chemisch-synthetischen Arzneimittel und nach Erst- und Ko-Autoren möglich. Die Struktur der Bibliographie und Beispiele für deren Benutzung werden auf der Eingangsseite beschrieben.