Baldrianwurzelextrakt: l-Hydroxypinoresinol hat in vitro eine starke Affinität zum 5-HT 1A-Rezeptor

Obwohl die Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel wie Valepotriate und Valerensäuren analytisch identifiziert werden konnten, ist über ihr pharmakologisches Wirkprinzip bisher wenig bekannt. U. Bodesheim und J. Hölzl vom Institut für Pharmazeutische Biologie an der Philipps-Universität Marburg haben deshalb das Valeriana- Hauptalkaloid sowie vier daraus isolierte Lignane auf ihre Affinität zum 5-HAT 1A-, GABA A-, Benzodiazepin- und µ-Opiat-Rezeptor untersucht.

Methodik

Die Isolierung des Valeriana-Hauptalkaloids erfolgte entsprechend früheren Untersuchungen von Torssell und Wahlberg mit Hilfe der Säulen-Chromatographie (SC). Zur Identifizierung der Lignane wurde die High Pressure Liquid Chromatography (HPLC) herangezogen.

Die chemische Struktur der isolierten Fraktionen wurde mit Hilfe der ein- und zweidimensionale NMR-Spektroskopie sowie der Massenspektroskopie analysiert und die Ergebnisse mit früher erhobenen spektroskopischen Daten verglichen.

Die Affinität des Valeriana-Hauptalkaloids und der daraus isolierten Fraktionen zum 5-HT 1A-, GABA A-, Benzodiazepin- und µ-Opiat-Rezeptor wurde mittels Radiorezeptorassay in vitro untersucht.

Die Bestimmung der in vitro-Affinität zum GABA A-Rezeptor erfolgte dabei an zwei Testmodellen: Der Hemmung der spezifischen Bindung des GABA-Agonisten Muscimol und des GABA-Antagonisten Bicucullinmethylchlorid (BMC) bei steigender Konzentration der einzelnen Testsubstanzen.

Die Affinität zum 5-HT 1A-Rezeptor wurde unter Einsatz des Radioliganden (3H)-8-OH-DPAT durchgeführt, für den eine hohe Affinität zum Serotonin-Rezeptor nachgewiesen ist.

Ergebnisse

Mit Hilfe des HPLC gelang die Isolierung vier neuer Inhaltsstoffe, die als Diepoxylignane identifiziert werden konnten, und zwar

  • (+)-l-Hydroxypinoresinol,
  • (+)-Pinoresinol-ß-D-Glucosid,
  • (+)-Pinoresinol,
  • (–)-Prinsepiol.

Im Rahmen der Rezeptorbindungsstudien ergaben sich folgende Daten:

  • In keinem der Modelle ließ sich eine ausgeprägte Affinität zum GABA A-Rezeptor nachweisen.
  • Eine Affinität zwischen den isolierten Substanzen und dem Benzodiazepin-Rezeptor war ebenfalls nicht erkennbar.
  • Zum µ-Opiat-Rezeptor zeichnete sich eine konzentrationsabhängige Affinität ab, die sich allerdings weder durch eine Wechselwirkung zwischen Rezeptor und Valeriana-Hauptalkaloid noch durch Interaktionen mit den anderen Einzelsubstanzen erklären ließ.
  • Zum 5-HT 1A-Rezeptor, der für Anxiolyse und Schlaf-Wach-Rhythmus von Bedeutung ist, konnte bei allen untersuchten Substanzen eine leichte, konzentrationsabhängige Affinität nachgewiesen werden. Eine Ausnahme bildete l-Hydroxypinoresinol, das sich als hochaffin erwies.


Fazit: In vitro lässt sich eine geringe konzentrationsabhängige Affinität des Valeriana-Hauptalkaloids sowie weiterer Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel zum µ-Opiat- und 5-HAT 1A-Rezeptor nachweisen. Besonders ausgeprägt scheint die Affinität der neu isolierten Substanz l-Hydroxypinoresinol zum 5-HAT 1A-Rezeptor zu sein, der für Anxiolyse und Schlaf-Wach-Rhythmus von Bedeutung ist.

(U. Bodesheim, J. Hölzl: Isolierung, Strukturaufklärung und Radiorezeptorassays von Alkaloiden und Lignanen aus Valeriana officinalis L..erschienen in Pharmazie 1997; 52: 386 - 391)

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