Placebokontrollierte Studie belegt Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Johanniskraut-Extraktes

Nachdem die verlässliche antidepressive Wirkung von Hypericum-Extrakten bei fehlenden oder geringen unerwünschten Begleiteffekten bereits in mehreren doppelblinden placebokontrollierten Studien gezeigt werden konnten, wollte G. Harrer und Mitarbeiter vom Institut für Forensische Psychiatrie der Universität Salzburg die Ergebnisse mit einem weiteren standardisierten Extrakt nachvollziehen.

Patienten und Methodik

In die multizentrische doppelblinde randomisierte Studie wurden insgesamt 116 Patienten im durchschnittlichen Alter von 48,5 Jahren aufgenommen. Sie litten an einer gemäß ICD 9: 304,4 und 309,9 definierten depressiven Symptomatik, die auf der Hamilton-Depressions-Skala (HAMD) einem Summenscore zwischen 16 und 20 Punkten entsprach. Bei insgesamt 22 Probanden lag dieser Wert über 20.

Die letzte medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka musste mindestens zwei Wochen zurückliegen. Die Patienten erhielten für die Dauer von 6 Wochen entweder dreimal täglich 30 Tropfen eines auf 0,25 mg/ml Gesamthypericin bzw. 0,07 mg/ml Hypericin standardisierten Johanniskraut-Extraktes oder ein Placebo.

Bei Aufnahme sowie nach der ersten, zweiten, vierten und abschließend nach der sechsten Behandlungswoche erfolgte eine Untersuchung mit Hilfe der beiden Fremdbeurteilungs-Skalen Hamilton-Depressions-Skala (HAMD) und Hamilton-Anxiety-Skala (HAMA) sowie mit der Depressivitäts-Skala nach v. Zerssen (D-S) zur Selbstbeurteilung.

Außerdem wurden die Verträglichkeit und der subjektive Eindruck der Wirksamkeit dokumentiert.

Als primärer Wirksamkeitsparameter galt die Responderrate, definiert als eine Verbesserung des HAMD-Scores um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Ausgangswert bzw. ein Absinken des Summenscores auf Werte unter 10.

Ergebnisse

Neun Patienten aus der Placebogruppe und ein Patient aus der Verumgruppe brachen die Behandlung wegen mangelnder Wirkung vorzeitig ab. Sie wurden als Non-Responder bewertet. Ein weiterer Patient aus der Verumgruppe, der die Behandlung aufgrund völliger Beschwerde-freiheit vorzeitig beendete, wurde dagegen als Responder eingestuft.

Bereits in der zweiten Woche zeigte sich unter Behandlung mit Johanniskrautextrakt eine Besserung auf der HAMD-Skala um 38,2 Prozent gegenüber 15,2 Prozent unter Placebo. Im weiteren Verlauf sanken die Werte bei über 75 Prozent der Verum-Patienten kontinuierlich ab. Bis zum Studienende reduzierte sich der mittlere HAMD-Gesamt-Score unter dem Phytopharmakon von 21,6 auf 8,9 und erreichte bei 25 Prozent der Behandelten sogar den 0-Wert. Im Gegensatz dazu erzielte das Placebo lediglich einen Rückgang von 20,1 auf 16,1. Bei etwa der Hälfte der Patienten rief die Placebobehandlung keinen Effekt hervor, der Score stieg sogar bei 25 Prozent wieder an. Dies entspricht einem Rückgang der Gesamtsymptomatik um 57,9 Prozent in der Verumgruppe gegenüber nur 18,1 Prozent unter Placebo. Die Responderrate unter Placebo. Dieser Unterschied ist statistisch hochsignifikant.

Die aus der Depressivitäts-Skala nach v. Zerssen (D-S) gewonnenen Daten wiesen eine klare Korrelation zu den Ergebnissen der HAMD-Skala auf. Der Gesamt-Scores ist unter Verum von 11,7 auf 4,9 gesunken, unter Placebo von 12,7 auf 8,7. Das entspricht einer Senkung um 54,3 Prozent unter Verum und 35,4 Prozent unter Placebo.

Die Beurteilung der Verträglichkeit ergab zu Studienabschluss keinen Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen. Sie wurde von etwa 80 Prozent aller Patienten als sehr gut oder gut eingeschätzt.

Fazit: Der geprüfte Johanniskrautextrakt zeigte gegenüber Placebo bei leichten bis mittelschweren Depressionen eine überlegene antidepressive Wirksamkeit. Der Unterschied war statistisch signifikant. Die Verträglichkeit des Johanniskraut-Extraktes war sehr gut und unterschied sich nicht von der des Placebos.

(Quelle: G. Harrer, U. Schmidt, U. Kuhn: Alternative Depressions-behandlung mit einem Hypericum-Extrakt, TW Neurologie 5, Heft 12: 710-716, 1991)

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