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Phytoforschung: Wie sieht die Zukunft aus?

Deutschland hat in der Selbstmedikation seine Führungsposition in Europa eingebüßt: Die Nummer 1 ist derzeit Russland. Während der Markt der OTC-Präparate in Osteuropa im letzten Jahr um neun Prozent gewachsen ist und in Gesamteuropa immerhin noch um ein Prozent zunahm, ging er im gleichen Zeitraum in Deutschland um ein Prozent zurück, berichtete Prof. Dr. Michael Habs, Karlsruhe. Das hat auch für die Forschung hierzulande, die fast ausnahmslos von der Industrie getragen wird, negative Konsequenzen. Soll Deutschland für die Phytoforschung wieder attraktiver werden, müssen vor allem die unzureichenden Schutzrechte und die hohen Bürokratiekosten korrigiert werden. Nur so wird man die traditionelle Vorreiterrolle erhalten können. Die Phytoforschung kann dann auch dazu beitragen, der immer lauter werdenden Forderung nach einer individualisierten Medizin besser entgegenzukommen.

Obwohl qualitativ hochwertige pflanzliche Arzneimittel bei richtiger Anwendung eindeutig wirksam sind, was in zahlreichen Studien belegt wurde, werden sie nur selten in die Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften aufgenommen, erklärte Prof. Dr. Theo Dingermann, Frankfurt. Das liege vor allem daran, dass auch Experten bei der Beurteilung allgemein nur die Arzneipflanze und nicht die konkrete Arznei wahrnehmen. Dabei hat die Forschung längst gezeigt, wie unterschiedlich verschiedene Produkte aus einer Arzneidroge in ihrer molekularen Zusammensetzung und im Wirkprofil sein können. Die Qualität der verwendeten Arzneipflanze bzw. des Arzneipflanzenteils ist hier genauso maßgeblich, wie das Lösungsmittel zur Extraktion und das konkrete Herstellungsverfahren. Man müsste daher die bisherige Bewertungspraxis optimieren: In den Leitlinienkommissionen sollten mehr Phytoexperten vertreten sein, forderte Prof. Dingermann.

 


Weitere Informationen zur Veranstaltung und zu Phytotherapie finden Sie unter www.kfn-ev.de

KFN 10/2012 – 20.12.2012

 

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